In den schwierigen Jahren 1946 und 1947 nach der bitteren Kriegszeit wurden mehr als 6.000 Mädchen und Buben aus dem oberschwäbischen und Allgäuer Raum für einen Tag in die Schweiz eingeladen. Für die damals acht bis zwölf Jahre alten Kinder tat sich ein Stück heile Welt auf.
Sie erlebten einen Tag im Schlaraffenland, den die meisten von ihnen bis heute nicht vergessen haben – er war und ist für sie ein Geschenk fürs Leben.

In der Folgezeit wurden nicht nur persönliche Kontakte gepflegt – auch Städte und Gemeinden
wie zum Beispiel Biberach, Friedrichshafen, Langenargen und Isny hatten Verbindungen zu Schweizer Gemeinden aufgenommen.

1999 kam das „Schweizer Kind“ Günter Müller auf Hildegard Nagler, Redakteurin der Schwäbischen Zeitung, mit der Bitte um Unterstützung zu: Er wollte sich gerne bei seiner damaligen Gastfamilie
in der Schweiz oder deren Nachkommen bedanken, hatte aber weder Name noch Adresse. Die Journalistin recherchierte. Am 24. Dezember 1999 wurde ihr Beitrag „Christkindlis Fahrt ins Märchenland“ in der Schwäbischen Zeitung veröffentlicht. Verbunden war er mit dem Aufruf an die ehemaligen „Schweizer Kinder“, sich zu melden. Die Resonanz war erstaunlich: Mehr als 100 Briefe und Postkarten gingen ein, manche Schreiber schilderten begeistert ihren Tag in der Schweiz.

Am 30. September 2000 luden das St. Galler Tagblatt und die Schwäbische Zeitung zu einem Wiedersehen nach Rorschach in die Schweiz ein. 120 „Schweizer Kindern“ folgten der Einladung. Aus diesem Kreis bildete sich eine 15-köpfige Arbeitsgruppe unter Leitung von Hildegard Nagler.
Das Ergebnis der Gruppe war die Herausgabe des Buches „Das Wunder einer Reise – Die Schweizer Kinder und ihre Fahrt ins Märchenland“ und die Gründung des gemeinnützigen Vereins „Schweizer Kinder e.V.“

Das Buch und der Verein wurden am 21. Juni 2003 am „Tag der Schweizer Kinder und ihrer Gasteltern“ mitten auf dem Bodensee auf dem Schweizer Motorschiff „Thurgau“ vorgestellt.
Mit diesem Schiff waren 1946/1947 die deutschen Kinder zu ihrem Tagesaufenthalt in die Schweiz gefahren.

„Die Schweizer Sonntage waren Tage, welche die Mädchen und Buben für ihr Leben geprägt haben. Nicht Millionen von Franken oder Reichsmark waren dafür erforderlich – es war allein die Herzenswärme der Menschen. Diese Idee wollen wir weitertragen“, heißt es in dem Buch im Kapitel „Blick zurück – und nach vorne“.

Ziel des Vereins ist es, Hilfe weiterzugeben und Kindern in Not, sei es im In- oder Ausland -
ideell und materiell zu helfen. Eine Auswahl der Projekte:
• Jedes Jahr packen Vereinsmitglieder Weihnachtspäckchen für bedürftige Mädchen und Jungen.
• Kindern aus Oberschwaben und dem Bodenseeraum werden zweiwöchige Ferienaufenthalte gewährt.
• Mädchen und Jungen, die an Krebs, an Lebererkrankung, an Morbus Alexander und an Stoffwechselerkrankungen leiden, wurden unterstützt.
• Die Friedrichshafener Partnerstadt Polozk erhielt eine Spende zur Therapierung von Mädchen
und Buben, die radioaktiv belastet sind.
• 20 Kinder in einem Kindergarten in Telawi (Georgien) haben mit Hilfe des Vereins ein Jahr lang Frühstück und Mittagessen bekommen. Telawi ist die Partnerstadt von Biberach.
• Die Ravensburger Partnerstadt Brest erhielt eine Spende zur Linderung der Not krebskranker
Kinder.
• Waisenhäuser in Burma, Kenia und Afghanistan wurden unterstützt.
• Der Bau einer afghanischen Schule wurde gefördert.
• In Not geratene Kinder der Tsunami-Flutkatastrophe haben Geldspenden erhalten.
• Somaly Mam, eine Kambodschanerin, rettet junge Mädchen aus Bordellen und hilft ihnen.
Sie erhielt für Ihre Projekte eine Geldspende.
• Der Konstanzer Verein „Vivo“ („Victims Voice“) wurde in seiner Arbeit mit traumatisierten
Kindern unterstützt.

1946/1947: Tausende von Kindern, zunächst aus Vorarlberg, dann auch aus dem Südwesten Deutschlands werden in die Eidgenossenschaft eingeladen und dürfen „DasWunder einer Reise“erleben

1972: 25 Jahre nach den Kindersonntagen in der Schweiz sind 48 Flawiler in Isny zu Gast

1986: Schweizer Kinder aus Friedrichshafen folgen der Einladung der Evangelischen Kirchgemeinde nach Arbon

1987: Mehr als 600 Schweizer werden auf dem Seehasenfest in Friedrichshafen begrüßt

1998: Zum Gedenken an die „Schweizer Sonntage“ wird in Amriswil ein Biberacher Apfelbaum gepflanzt

30. September 2000: Die „Schwäbische Zeitung“ und das „St. Galler Tagblatt“ laden die „Schweizer Kinder“ zu einer zweiten Fahrt ins Märchenland ein. Rund 80 „Kriegskinder“ folgen der Einladung

21. Juni 2003: Gründung des Vereins „Schweizer Kinder“. Das Buch „Das Wunder einer Reise – Die Schweizer Kinder und ihre Fahrt ins Märchenland“, herausgegeben von Hildegard Nagler, wird auf der „Thurgau“ – jenem Schiff, das nach dem Krieg viele Mädchen und Jungen über den See in die Eidgenossen geschippert hat – präsentiert. Es dokumentiert die Geschichte der „Schweizer Kinder“, die, so hoffen es die Mitglieder des gleichnamigen Vereins, nie enden soll.

20. Mai 2007: Bau der rund 11,4 Kilometer langen Schiffsbrücke zwischen Friedrichshafen (D) und Romanshorn (CH) mit rund 2500 Schiffen und Booten. Die Aktion soll an die Großzügigkeit der Schweizer vor 60 Jahren erinnern, aber auch daran, dass heutzutage unzählig viele Kinder in Not leben und Hilfe brauchen.

November 2007: Der Bildband „Die Schiffsbrücke – Drei Länder erinnern an Kinder in Not" erscheint (siehe auch Rubrik Bücher).